Als Selbstständiger ins Steuerparadies: 5 Gründe, die dagegensprechen

Immer mehr Menschen träumen vom Steuerparadies – ein Ort, an dem sich ungeahnte Möglichkeiten für Gründer ergeben. Gerade Freelancer, die vorwiegend online arbeiten und nicht ortsgebunden sind, sind begeistert von dieser Idee und spielen mit dem Gedanken einer Auswanderung. Welche Schattenseiten allerdings hinter solchen Steueroasen stecken können, ist den wenigsten bewusst.

Steuern in Österreich

Österreich ist nicht gerade ein Schlaraffenland der Steuersätze. Ein hoher Prozentsatz des Einkommens geht an den Fiskus. Kein Wunder also, dass die Option der Auswanderung durch viele Gründerköpfe geistert. Bevor man sich jedoch in eine Steueroase aufmacht, sollte man sich vorher seine Situation in Österreich genauer ansehen, um abwägen zu können, ob sich eine Auswanderung tatsächlich finanziell rentiert.

Der klassische Einzelunternehmer kann, je nach Einkommenshöhe, ungefähr 50 Prozent seines Einkommens für Steuern und Sozialversicherung einplanen. Ein erster Schritt sollte unbedingt sein, sich nach einem guten Steuerberater umzusehen, denn der findet in der Regel jede Menge Einsparungspotenzial. Trotzdem, Österreichs Steuer- und Sozialversicherungssätze können für Selbstständige eine enorme Belastung werden.

Für auswanderungswillige Unternehmer, die vom österreichischen Steuersystem genug haben, könnten die folgenden „Steuerparadiese“ für Entlastung sorgen. Doch nicht für jeden lohnt sich eine Auswanderung, denn mit dem Umzug ins Ausland sind auch viele Schattenseiten verbunden.

Steuerparadiese in Europa und der Welt

Nicht alle Länder legen einen so hohen Wert auf Steuern wie Österreich. Sogenannte Steuerparadiese gibt es in der Tat – Orte, an denen deutlich niedrigere Steuersätze das Gründerdasein mitunter einfacher machen können.

Steueroasen finden sich zum Beispiel:

  • auf den Bermudas,
  • den Cayman Islands,
  • in Jersey,
  • Barbados,
  • Hong Kong,
  • Curaçao,
  • Mauritius und
  • den Britischen Jungferninseln.

Doch es geht auch näher, und zwar mit diesen Optionen:

  • Schweiz,
  • Luxemburg,
  • Tschechien,
  • die Niederlande,
  • oder Irland.

Mit einem Umzug ins Steuerparadies handelt man legal übrigens im grünen Bereich. Mit der gesellschaftlichen und ethischen Akzeptanz sieht es hier logischerweise kritischer aus. Schließlich zahlen die Landsleute brav und regelmäßig ihre Steuern an den österreichischen Staat. Wichtig zur erwähnen ist außerdem, dass sich der Lebensmittelpunkt dann auch im Zielland befinden muss. Ein ständiger Aufenthalt in Österreich ist somit illegal.

Inzwischen wird in der EU allerdings schon heiß über dieses Thema diskutiert, und aktuell an einem neuen Regelwerk gearbeitet, um diese Steuerlücken endgültig zu schließen. Am besten, man informiert sich gründlich über die aktuelle Lage, bevor man erste Schritte vornimmt!

Die großen Nachteile sogenannter Steueroasen

Ob die Vorteile einer Steuerentlastung die Schattenseiten auch wirklich überwiegen, ist im Endeffekt jedem selbst überlassen. Jedenfalls sollte man sich im Klaren darüber sein, worauf man sich bei einer Auswanderung ins Steuerparadies einlässt. Man wird sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert sehen, wenn man sein Leben woanders wieder ganz neu aufbaut.

Auf eigene Faust zu handeln ist aufgrund der Komplexität dieses Themas ohnehin nicht empfehlenswert. Im Internet bieten daher zahlreiche Agenturen ihre Dienste an. Hier sollte man allerdings ebenfalls Vorsicht walten lassen, denn man hört immer wieder von unseriösen Anbietern!

Folgende Punkte sollte man vor seiner Entscheidung unbedingt gut überdenken, denn sie können zum großen Nachteil im Ausland werden:

  1. Keine sozialen Kontakte
    Lässt man das alte Leben hinter sich, bleiben auch gleichzeitig alle sozialen Kontakte zurück. Man muss sich sein Sozialleben wieder ganz von vorne aufbauen – das kann als Fremder mitunter zum Stolperstein werden. Möchte man zwischendurch Besuche ins Heimatland machen, muss man mit langen Autofahrten und teuren Flügen rechnen. Diese Kosten sind nicht zu unterschätzen.
  2. Kulturunterschiede
    Als Einwanderer muss man gewisse Anpassungsqualitäten erfüllen. Doch auch wenn man den Willen und das Bemühen einer Eingliederung zeigt, muss es nicht immer optimal funktionieren. Ein „Kulturschock“ ist quasi vorprogrammiert – auch in Europa.
  3. Sprachbarrieren
    Sprachbarrieren werden mitunter nicht ausbleiben im neuen Leben. Das kann sich allerdings äußerst negativ auf die Gründervisionen auswirken – denn auch wenn man sich vorher Sprachkenntnisse aneignet, kann man die örtliche Bürokratie als Ausländer nie ganz einschätzen. Da muss also ein ortskundiger Berater her – und der kostet natürlich! Projekte können durch lange Wartezeiten und Kommunikationsprobleme unnötig in Verzug geraten.
  4. Lebensstandard
    Unter anderem könnte man, je nach Auftragslage, mit einer entschieden anderen Lebensqualität zurechtkommen müssen. Hat man das Pech einer schlechten Infrastruktur oder einer höheren Kriminalität als in Österreich, kann das Wohlbefinden schnell darunter leiden. Am Beginn des Gründerdaseins wird ein Lebensstil auf Sparflamme vielleicht extremer nötig sein, als im Heimatland – ein Umzug verlangt dem Budget schließlich einiges ab.
  5. Vorsorge
    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge. Was tun, wenn man doch zurückkommt? Als Selbstständiger ist man in Österreich zwar verpflichtet, in die Pensionskasse einzuzahlen, doch das natürlich nur, wenn man auch dort wohnt. Eine private Versicherung ist meist eine Zusatzoption. Hier muss man aufpassen, dass man nicht mit leeren Händen dasteht, sollt man zurückkommen.

Im Grunde muss jeder selbst entscheiden, ob die Steuervorteile in einem anderen Land die vielen Risikofaktoren auch überwiegen. Fest steht, dass es Steueroasen mit deutlich niedrigeren Abgaben und mehr Kapitalspielraum für Gründer, gibt. Andererseits sprechen viele Faktoren auch gegen eine Steuerflucht – ein sozialer Neustart, Kultur- und Sprachbarrieren, sowie ein anderer Lebensstandard können zu echten Herausforderungen werden. Geht die Freelancer-Mission schief, steht man zurück im Heimatland dann möglicherweise ohne Vorsorge da.


steuerberater-franz-schmidAutorenname: Franz Schmid
Position: Inhaber eines Steuerberatungsbüros
Seit über 20 Jahren leitet Franz Schmid sein Steuerberatungsbüro Franz Schmid in Jenbach in Tirol. Vor allem Jungunternehmer und Gründer liegen dem erfahrenen Steuerberater am Herzen. Außerdem legt er großen Wert auf eine persönliche Betreuung seiner Klienten.

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3 Kommentare
  1. Thomas
    Thomas says:

    Als Einzelunternehmer muß man seinen Lebensmittelpunkt in das neue Land verlagern. Für Kapitalgesellschaften sieht die Situation allerdings ganz anders aus. Hier kann man deutlich Steuern sparen. Dies wird ja auch sehr deutlich von Apple & Co. vorgeführt. Apple hat so alleine inzwischen rund 250 Mrd. $ auf seinen Auslandskonten (außerhalb den USA) angehäuft.

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  2. Alexander
    Alexander says:

    Vor allem als Einzelunternehmer sind die Abgaben extrem. Wenn dann noch die SVA ansteht, könnte man über ein Steuerparadies schon mal nachdenken. 😉 Wobei meiner Meinung nach die Nachteile tatsächlich überwiegen. Österreich ist für mich einfach zu schön, um es zu verlassen. Aber eine Entlastung für Unternehmer wäre schon längst überfällig!

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